| Es gibt auf Mallorca viele attraktive Bergstraßen mit grandiosen Aussichtspunkten, aber nirgends wirkt die Natur so dramatisch, so bedrohlich wie bei den schroffen Felsen der Halbinsel Formentor, wo Winterstürme jede Erdkrume, jede Vegetation weggefegt haben; ein Wunder, dass an einigen Stellen im Schutze der wehrhaften Fels- mauern noch Baumgruppen überleben konnten. Antonio Paretti, der Ingenieur der Sa Calobra, zeichnete auch für diese Straße verantwortlich, die von Port de Pollena auf dem Rückgrat der langen und schmalen Halbinsel bis zur nördlichsten Spitze Mallorcas, zum Cap de Formentor führt, wo sich ein Leuchtturm befindet. Doch bevor es soweit ist, gilt es, viele Spitzkehren und Steigungen zu bewältigen. Immer wieder hat man im ersten Teil der Strecke schöne Aussichten auf das tief unten liegende Port de Pollenp. So ist beispielsweise nach 6 km der erste Aussichtspunkt, der Mirador Mal Pas erreicht. Dem Konstrukteur der Straße wurde hier ein Denkmal gesetzt in Form einer bizarren Felsnadel. Vom Denkmal führt ein kurzer asphaltierter Fußweg über zerfurchte Kalkfelsen zum Mirador Es Colomer, der eine traumhafte Aussicht auf die schmale, wie einen Finger ins Meer ragende Halbinsel freigibt. Senkrecht stürzen hier die Els Farallons genannten Klippen in die See und einen Steinwurf entfernt liegt unten in den Fluten die kleine Felseninsel Colomer. Gegenüber vom Parkplatz führt eine enge und kurvenreiche Straße zum höchsten Gipfel der Halbinsel. Dort steht ein Wachturm aus dem 16. Jh., der *Atalaya d'Albercuix 0 . Der Ausguck war einmal von zwei Beobachtern besetzt, die von der Küstenbevölkerung bezahlt wurden, und die bei heranna heuden Piratenschiffen Feuer- und Rauchsignale mit den Soldaten auf dem Berg Atalaya nördlich von Alcüdia austauschten. Später wurde der Turm mit einigen Kanonen bestückt. Die Straße zum Kap klettert wieder zum Meer hinunter zur Abzweigung nach Cala Pi de la Posada. Die schattigen Strände hier an der waldreichen, windgeschützten Ostseite der Halbinsel werden zu den schönsten der Insel gezählt. Am Nordende der Bucht liegt Mallorcas berühmteste Luxusherberge, das Hotel Formentor (1), das in den 1920er Jahren von dem Argentinier Adän Diehl begründet wurde. Der begüterte Jurist und Dichter war bei einem Besuch der Insel von ihrer landschaftlichen Schönheit derartig angetan, dass er die gesamte Halbinsel Formentor kaufte und an der in jenen Tagen einsamen Platja Formentor ein Luxushotel für Leute seinesgleichen erbaute. Und die kamen auch! So der englische König Edward VIII., Winston Churchi 11, der Aga Khan, Charlie Chaplin, Aunfrey Hepburn, Pläcido Domingo, Bundeskanzler Helmut Schmidt und zahlreiche weitere Politiker, Schriftsteller, Künstler und Schauspieler. Um den Bekanntheitsgrad seines Hauses zu steigern, ließ Diehl in französischen Bahnhöfen Werbeplakate kleben und warb in Paris unter dem Slogan Formentor, le plus beau palais du monde. Die Pariser Touristeninformation konnte auf Nachfrage die tägliche Lufttemperatur in Formentor an potenzielle Gäste weitergeben. Trotzdem hatte Diehl in wirtschaftlicher Hinsicht mit dem Hotel keinen Erfolg, und mit Beginn des Spanischen Bürgerkrieges stand es für viele Jahre leer, wechselte dann mehrfach den Besitzer und ist erst seit den 1960er Jahren wieder eine stilvolle Unterkunft für Leute mit Geld, die bereits an der Zufahrt von einem livrierten Portier empfangen werden. Wer nicht über einen Leihwagen ver- fügt, kann von Port de Pollenca aus mit Oben und rechts: Von weitem sieht die Halbinsel Formentor schroff und unwirtlich aus, doch es gibt dort einige besonders hübsche Badebuchten. Ausflugsbooten an den Strand von Formentor schippern oder vom gleichen Ort aus mit einem mehrmals am Tag verkehrenden Bus anreisen. Auf dem weiteren Weg zum Kap er- reicht man nach kurzer Fahrt die Häuser Cases Velles. Von hier führt ein Fußweg zur einsamen Cala Murta, an die sich auch während der Saison nur wenige Besucher verirren. Weiter geht es vorbei am Denkmal für den mallorquinischen Dichter Miquel Costa i Llobera, das in einer kleinen Gartenanlage steht. |