| Die Kathedrale (Catedral Sa Seu) gilt als die bedeutendste kunsthistorische Sehenswürdigkeit der Balearen. Während der maurischen Epoche erhob sich an diesem erhöht gelegenen Ort die Hauptmoschee der islamischen Stadt Medinat Mayurka. Unmittelbar nach der Eroberung der Stadt durch Jaume I. befahl der König 1230 den Bau eines Gotteshauses. Um Platz für das ehrgeizige Unternehmen zu gewinnen, wurden die umgebenden Gebäude und ein Teil der großen Moschee abgerissen. 1269 konnte die nach Osten gerichtete Apsis fertig gestellt und geweiht werden, 1338 waren weite Teile der Seitenschiffe errichtet. Als die Bauleute 84 Jahre später begannen, das Mittelschiff der Kathedrale hochzuziehen, wurde — mit Ausnahme des Minaretts — der Rest des muslimischen Gotteshauses eingerissen. 1490 kam es zu einem herben Rückschlag, die Decke stürzte ein. Erst 1587 war die Kathedrale immerhin so weit fertig gestellt, dass sie den göttlichen Segen er- halten konnte. Es wurde aber noch immer weitergebaut. Sein endgültiges Aussehen erhielt das Gotteshaus erst 1904-1914 nach den Plänen des visionären katalanischen Stararchitekten Antoni Gaudi. Das dem Almudaina-Palast gegenüberliegende Hauptportal der Kathedrale wird nur zu besonders feierlichen Anlässen geöffnet. Nachdem im Jahr 1851 ein Erdbeben im Bereich dieses Portals schwere Schäden angerichtet hatte, wurde die ganze Fassade neu gestaltet. Der detailreiche platereske Stil des triumphbogenartigen Portals weicht deutlich sichtbar vom schlichten, majestätischen Erscheinungsbild des übrigen Bauwerkes ab. Der Touristeneingang befindet sich an der dem Meer abgewandten Nordseite im ehemaligen Almosenhaus. Von hier gelangt man in den Unterbau des 48 m hohen Glockenturms, indem sich die Vermells-Sakristei 0 befindet, die heute einen Teil des Dom-Museums bildet. Im Mittelpunkt des benachbarten Gotischen Kapitelsaales 0 steht das Grabmal des Bischofs Gil Sanchez Mufioz, der Nachfolger des Gegenpapstes Benedekt XIII. in Avignon werden sollte, aber zugunsten des echten Papstes verzichtete und dafür zum Bischof von Mallorca ernannt wurde. Gemälde des hl. Matthäus und des hl. Franziskus schmücken einen gotischen Altaraufsatz. Auf einem noch älteren Retablo (1355) ist das Martyrium der hl. Eulalia dargestellt. Ein Gemälde von 1488 zeigt den hl. Sebastian, der als Schutzherr der Stadt verehrt wird. Im anschließenden Neuen Kapitelsaal, der im 17. Jh. im gotischen Stil errichtet wurde, hängen vier große flämische Wandteppiche, auf denen die vier Evangelisten dargestellt sind. Die Vitrinen enthalten Präzisen von unschätzbarem Wert. Die 2,28 m hohe gotische Monstranz aus vergoldetem Silber wiegt 120 kg. Sie ist mit 230 Perlen und 826 Brillanten geschmückt. Von noch größerem, vor allem aber auch ideellen Wert, sind die in diesem Raum aufbewahrten Reliquien. Ein goldgefasstes Holzkreuz (Reliquiari de la Vera Cruz) auf einem hohen plateresken Fuß gilt als größtes Reliquiengefäß der christlichen Welt. 551 Perlen, 25 Rubine, 20 Saphire, 4 Topaze, 4 Krysolithen und 9 andere Edelsteine schmücken das Kunstwerk. Ein weiteres goldenes Reliquiar (Reliquiari de ses Santes Espines) hat die Form einer dreitürmigen gotischen Kirche. Die drei Dor- nen in der Mitte des Gebäudes sollen aus der Dornenkrone des Erlösers stammen. In weiteren Reliquiengefäßen sollen sich Teile der Geisel, mit der Jesus geschlagen wurde, Reste der Tunika des Erlösers und Stücke des Schwammes, mit dem ihm das Essigwasser gereicht wurde, befinden. Auffallend ist ein silberner Unterarm, der Knochenreste des hl. Sebastian enthalten soll. Die Bewohner von Palma glauben, dass die Verehrung des Heiligen half, die Stadt von der Pest zu befreien, die im 16. Jh. auch in Mallorca wütete, und ernannten ihn deshalb zu ihrem Schutzpatron. Zu den weiteren Kostbarkeiten des Dom-Schatzes gehören wertvolle Pokale, alte Bücher, ein 62 cm hohes Kreuz aus Elfenbein und Ebenholz, und — nicht zu übersehen — die beiden silbernen Barock-Kerzenhalter, von denen jeder 268 kg wiegt. Vom alten gotischen Kapitelsaal gelangt man in die Kathedrale, die sich durch drei Merkmale von allen übrigen gotischen Gotteshäusern Europas unterscheidet: durch die enormen Ausmaße, die außergewöhnlich schlanken Säulen und die einzigartigen Rosetten, die den Raum mit einem faszinieren- dem Lichterspiel erfüllen. Zu den Dimensionen: Die Kathedrale bedeckt eine Fläche von 6600 m⊃2;, ist 109 m lang, knapp 40 m breit und etwa 45 m hoch; zum Vergleich: der Kölner Dom bedeckt eine Fläche von 7900 m⊃2;. |